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40 Stunden Schlaf pro Woche

Zwei Jungunternehmer verändern Hünfelds Gesicht
Chefs mit Mitte 20

40 Stunden Schlaf

 

 

 

 

 

 

 

Von Ann-Kathrin Geyer
Foto: Karl-Heinz Burkhardt

HÜNFELD
Die Geschichte von Patrick Brodala und Michael Kalb aus Hünfeld klingt wie aus einer Broschüre für Start-Up-Unternehmen. „Wir wollten etwas Verrücktes machen“, erzählt Patrick Brodala, Gesellschafter von Com-pose Audio & Webdesign.

Das ist ihnen gelungen: Die Jungunternehmer, die vorher ein gemietetes Büro in der Josefstraße hatten, haben mit ihrem Konzept die Bank überzeugt und 2005 den Komplex rund um die ehemalige Bäckerei Kiekopf in der Hauptstraße gekauft.

Das sanierungsbedürftige Objekt verwandelten sie in einen auffälligen, blau/orangen Farbtupfer mitten in der Hünfelder Innenstadt. Inzwischen befinden sich dort ein Handyladen, das Stadtcafé, ihr eigenes Unternehmen, sowie sechs Wohnungen. Doch die Kernkompetenzen der beiden liegen nicht im Immobiliengeschäft. Eigentlich gestalten sie Websites und Corporate Designs.

Kennen gelernt haben sie sich in der Schule. „Über unser gemeinsames Hobby, die Musik, hatten wir damals schon Kontakt.“, erinnert sich der 28-jährige Patrick. Trotzdem ist ihre schulische Karriere unterschiedlich gelaufen. Michael schließt sein Abitur mit der sagenhaften Note 1,0 ab, Patrick dagegen beendet die Oberstufe vorzeitig. 1998 macht er sich stattdessen mit einem eigenen Tonstudio selbständig. Damit legt er den Grundstein für ein heute regional und überregional erfolgreiches Unternehmen: Com-pose. Und er liefert den Beweis, dass das vorzeitige Abbrechen der Schule kein Fehler sein muss.

Michael geht nach dem Abitur zur Bundeswehr und studiert dann zwei Jahre Medieninformatik in Fulda. Gleichzeitig ist er aber schon offiziell Gesellschafter von Com-pose. Im Nachhinein betrachtet er das Studium als verschenkte Zeit, wollte er doch dem gut gemeinten Ratschlag seiner Eltern „erstmal mal was Ordentliches zu machen“ folgen.

Heute sind die beiden für sich selbst verantwortlich. Wie schwer das sein kann, beweist ihr Arbeitspensum. „Eine 40-Stunden-Woche haben wir – aber damit ist er Schlaf gemeint“, ergänzt Patrick.

Ungewöhnlich ist auch, dass sich die beiden mit ihrem Unternehmen an ihre Heimat Hünfeld auf unbestimmte Zeit gebunden haben. Denn viele Jugendliche zieht es nach der Schule erst einmal in die Welt hinaus. „Wir sind Hünfelder und wollen es bleiben“, betont Michael – auch wenn sie woanders vielleicht mehr verdienen würden. Inzwischen können sie sich ein Leben ohne ihr gemeinsames Projekt nicht mehr vorstellen – vor zwei Jahren sei es noch anders herum gewesen, sagt Michael.

„Hünfeld wird erwachsen“, meint Patrick. Dazu haben die beiden einen großen Teil beigetragen. Sie haben verhindert, dass in der Innenstadt ein Objekt mehr leer steht und Hünfeld mit ihren Ideen bereichert. Auch, wenn die Unternehmer dafür ein großes Risiko eingehen mussten.

Fuldaer Zeitung vom
4. Oktober 2007

 

Weiterführende Links

www.fuldaerzeitung.de
www.rhoentapas.de
www.huenfeld.de